Erlebnis-Bericht Extrem Cold-Run


ja, der Verrückte schon wieder ..

Wowww - das war definitiv mein härtester Cold Run !!
Es ist wirklich krass, was der Körper kompensiert.

Hier die Fakten:
Startzeit: 0:00 Uhr
Datum: 20.Dezember 2009
Temperatur: ca. -17/-18°C
Wind: in Böjen 3 Bft
Dauer: 50 min
Schneefall

Der Wetterdienst hatte für den Landkreis Fürstenfeld eine Starkfrost-Warnung herausgegeben mit lokalen Temperatursturz bis -20°C !!
Das ist meine Chance - ein Geschenk des Himmels.
Endlich die langersehnten Hardcore-Bedingungen !!

Beim Loslaufen gleich mal ein ungewohntes Geschräusch:
Der hartgefrorene Schnee knirschte richtig laut unter den Schuhen.
Die Haut begann gleich richtig zu brennen und
nahm schweinchen-rosa Färbung an.

Allerdings mußte ich zum erstenmal richtig kämpfen, um das Temperatur-Gleichgewicht zu halten - das hatte ich bisher noch nicht erlebt. Dabei war der Schneefall kein Problem - die Flocken prallten wirkungslos vom Körper ab. Wenn der Wind sie beschleunigte,
fühlte sich das allenfalls wie kleine Nadelstiche an.

Ein wirkliches Problem war jedoch der Wind. Laut Wind-Chill-Tabelle soll bei -17°C und 3 Bft die gefühlte Temperatur bei -25°C liegen
da wird's bei nackiger Haut schon spannend :-)
Auf den wind-ausgesetzten Passagen kühlte ich jedesmal bedenklich aus (die Muskeln begannen steif zu werden), aber in den geschützten Bereichen "regenerierte" ich immer wieder.

Jedoch auf den langen Gegenwind-Passage über das freie Feld mit vollem Wind auf die Brust wurde es richtig eng - mit einem kleinen Zwischensprint "rettete" ich mich zum nächsten Waldgebiet. Kurz mal still stehen und die Atmung beruhigen und schon kam die Wärme zurück in meinen Körper.

Übrigens, eine zu schnelle Atmung ist das größte Problem beim Cold Run, da über die Lunge die meiste Wärme gegeben wird. Darum lautet auch die goldene Cold-Runner-Regel: Immer langsam laufen.

Nach 40min trat wieder der seltsame Effekt auf (wie bei den anderen Extrem-Cold-Runs auch schon), daß sich die Körperwahnung veränderte. So hatte ich diesmal den Eindruck, daß die Beine immer kürzer werden und ich mich nur noch flach über den Boden bewegte (so tief war der Schnee doch gar nicht:-)

Alles schien etwas weiter weg zu sein. Dabei waren die Fingerspitzen aber noch warm d.h. ich bin noch nicht in der Unterkühlung und die Beine funktionierten auch noch gut (meine Lebensversicherung, um wieder ins Warme zu kommen). Was passiert da im Körper - irgendwelche Endorphine- oder andere Hormon-Ausschüttungen? Da mir das nicht geheuer war, ging's direkt zurück zur Sauna .. jeder Spaß hat mal ein Ende und ich hatte ja versprochen, nicht alleine in der Kälte meine Limits zu pushen :-)

Außer ein paar Besoffenen traf ich beim gesamten Lauf niemand, aber die waren so blau, daß sie sich glatt einbildeten, da würde jemand bei dem Frost in der Badehose rumlaufen - hoffnungslose Säufer :-)


Meine spartanische Kälteausrüstung:
2 Badenhosen übereinander (damit die Weichteile warm bleiben)
Nierenwärmer (überlappt die Badehose um 5 Zentimeter)
2 Unterarmwärmer (2 Paar abgeschnittene Socken)
Socken und Laufschuhe
2 Mützen übereinander
Extra dicke Handschuhe

Mein Cold Run-Motto:
Was ich am Oberkörper nicht an Klamotten trage,
hole ich an den Extremitäten doppelt nach :-)







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