Erlebnis-Bericht Extrem Cold-Run


auf dem zugefrorenen Gröbenzeller See ..

Wie kann man bei -15°C 1:20 Min in der Badehose überstehen, ohne mit einer Unterkühlung in Krankenhaus eingeliefert zu werden oder zuminderst eine dicke Erkältung davonzutragen?

Ehrlich gesagt, ich weiß es selbst nicht so genau :-)


Meine spartanische Kälteausrüstung:
2 Badenhosen übereinander (damit die Weichteile warm bleiben)
Nierenwärmer (überlappt die Badehose um 5 Zentimeter)
Unterarmwärmer (1 Paar abgeschnittene Socken)
Socken und Laufschuhe
Warme Handschuhe
Dicke Mütze

Die Nacht von Samstag auf Sonntag war die bisher kälteste Nacht des Jahres (übrigens bei beinahe Vollmond) und damit ich ja auch den kältesten Moment erwische, bin ich erst um Mitternacht gestartet.

Eigentlich wollte ich nur ein bißchen rumprobieren, wielange ich der extremen Kälte standhalten kann, aber dann kam der gespenstisch grün-schimmernde Vollmond dazu und außerdem war es beinahe windstill und so wurde der Cold Run länger und länger ...

Übers freie Feld ging es zum Gröbenzeller See, der so dicke zugefroren war, daß man gefahrlos übers Eis joggen konnte. Der Vollmond zauberte eine phantastische Athmosphäre, der reflektierende Schnee machte die Szenerie unglaublich hell - kein Ton war zu hören.

Irgendwie ist die Situation schon grotesk:
Ich steh hier allein mitten in der Nacht auf einem zugefrorenen See, es ist bitterkalt, aber dennoch ist mir warm, als hätte ich einen dicken Mantel an. Gelten denn für mich die physikalischen Gesetze nicht mehr? Eine erste euphorische Stimmung überkommt mich ..

Auf dem Rückweg vom See treffe ich auf dem Feld ein Reh an - schön, ich bin nicht der einzige Cold Runner heute nacht, denke ich. Wenn die es die ganze Nacht durchhalten, dann geht bei mir auch noch sicher ein bißchen was :-)

Nach 40 Min wird mir plötzlich richtig warm, als wäre ich in einen beheizten Raum eingetreten. Was ist jetzt los, fange ich jetzt schon das Phantasieren an, ist das die erste Stufe zum ... Aber ich fühle mich nach wie vor gut. Das anfängliche Frösteln der ersten 20 Min, wenn hin und wieder ein kleine Böe über die Brust strich, spüre ich jetzt nicht mehr. Nur meine Haut hat sich etwas gerötet - angegriffen von der Kälte - naja, maximale Durchblutung :-)

Also beschließe ich, Gröbenzell nochmals zu verlassen und noch eine Runde über Puchheim Bahnhof zu laufen. Am Bahnhof steht auf einem Plakat eine 8-stellige Tel-Nummer. Hey, die versuche ich jetzt auswendig zu lernen, man sehen, ob mein "eingefrorenes Gehirn" die Ziffern behalten kann.

Hurra, die Stunde ist voll und
noch immer habe ich warme Finger!


Aus der Theorie meiner Rettungs-Schwimmer-Ausbildung weiß ich, daß der Körper bei ersten Anzeichen von Unterkühlung als erstes das Blut aus den Extremitäten abzieht und im Rumpf zentriert, weil sich dort die lebenswichtigen Organe befinden d.h. solange meine Finger warm sind, bin ich im grünen Bereich!!

Bei 1:10 Min werden mir trotz der Unterarmwärmer langsam die Unterarme kalt und die Fingerspitzen etwas klamm. Das ist eine Erfahrung, die ich bis jetzt noch bei keinem Cold Run gemacht habe. Mir wird klar, daß ich jetzt an meine physischen Grenzen stoße ..

Ich entschließe mich, zu kapitulieren - der Rückweg sollte nicht mehr länger als 10 Min dauern. Bei 1:20 Min checke ich mittlerweile etwas fröstelig zuhause ein. Vor der Tür ist aber noch Zeit für ein bißchen Stretching - wenn man stehen bleibt, wird einem kurzzeitig immer etwas wärmer ..

Beim nächsten Extrem Cold Run ziehe ich 2 Paar Socken über die "Archilles-Ferse" Unterarme, mal sehen, wo dann die Grenze liegt :-) Das schöne am Cold Run ist, daß man im Winter dieselben Klamotten wie im Sommer benützen kann - mit derselben Badehose gehe im Sommer immer zum Geöbenzeller See zum Schwimmen ..

Es ist Wahnsinn, was der Körper aushält - ich hab den Cold Run ohne eine Erkältung zu bekommen überstanden!! Auch konnte ich mich am nächsten Tag noch an die 8-stellige Tel-Nummer erinnern - so im Dilirium konnte ich nicht gewesen sein :-)







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